Geschichte
"Die Vokabel „altes Europa“ zu benutzen, das ist, als würde man sagen, die Bürgerrechte sind alt, Jesus ist alt, die Philosophen sind alt – und genau das ist der Punkt. Noch mal: Geschichte ist dazu da, aus ihr zu lernen. Europa ist da in einem höheren Reifestadium. Das ist nicht eure Schande, sondern eure Ehre."
– Harry Belafonte
Die Ehrerbietung eines sympathischen Vertreters des jugendlichen Amerika an das schon etwas ältere (erwachsenere?) Europa. Eine Verneigung vor den höheren Werten, als denen des Egos.
Harry Belafonte sagt: „Geschichte ist dazu da, aus ihr zu lernen.“
Dieser Illusion ist schon so mancher aufgesessen. Aber nicht der Inder Mahatma Gandhi und auch nicht der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Dieser sagt (mit viel mehr Worten natürlich):
Geschichte lehrt:
Sie lehrt nichts.
Man beobachte kleine Kinder in einem Sandkasten. Dann beobachte man das Treiben in genau dem selben Sandkasten ein Jahr später und
dann noch einmal, zehn Jahre später. Man wird feststellen:
Die Kinder haben gar nichts
aus ihrer Geschichte gelernt.
Sie spielen immer noch die selben Spiele. Die Spielsachen waren vielleicht mal aus Holz, dann aus buntem Plastik und später wieder biologisch abbaubar, aber die Spiele sind die selben. Die selben
Kratzer, die selben Tränen, die selbe Freude, die selbe Wichtigkeit. Diese Generation Kinder will so ziemlich genau das selbe Potpourri an Erfahrungen erleben, wie die der Kollegen vor und nach
ihnen.
Dass die Geschichte etwas lehre, ist eine Wunsch-Idee, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Das Mahnen, Gedenken, Beklagen, Erinnern lenkt uns bloß von der klaren Sicht auf die aktuellen,
die real existierenden Konstellationen und den uns nicht bewussten, aber dennoch unbewusst wirkenden kollektiven Stimmungen ab.
Harry Belafonte: „Das ist nicht eure Schande, sondern eure Ehre.“
Klingen ein bisschen von vorgestern: Ehre & Schande 😊 Diese beiden Elemente einer äußerst rigiden Moral. Und passen so gar nicht zusammen mit dem freundlichen Hinweis auf die fast vergessene Geistige Reife und die Unterschiedlichkeit ihrer Stadien:
Harry Belafonte: „Europa ist da in einem höheren Reifestadium.“
Selbst die Anwärter auf die wichtigsten Staatsämter wählen wir immer noch mittels diffuser Regungen aus dem individuellen und kollektiven Unbewussten und lassen dabei das wichtige Kriterium der Geistigen Reife großzügig außen vor!
So, als wäre sie nichts wert.
„Der Schlüssel der Geschichte ist nicht in der Geschichte, er ist im Menschen.“
– Théodore Simon Jouffroy
- Ja, der Schlüssel der Geschichte ist nicht in der Geschichte.
- Nein, der Schlüssel der Geschichte ist nicht im Menschen.
- Und drittens gibt es gar keinen Schlüssel der Geschichte.
- Viertens gibt es auch gar keine "Geschichte", sondern nur Geschichten (Literatur) und etliche Ideen von "Geschichte".
Auch gibt es keine lineare oder gar logische Abfolge von Ereignissen, dafür umso mehr Mutmaßungen, die uns bezüglich erforderlicher Handlungen in der Gegenwart... gar nichts nützen (können).
Unser Tun von gestern ist heute...
nur eine unerreichbare Anekdote.
Die Ereignisse sind nicht linearer, sondern komplexer Art – was unser vorzugsweise logisch funktionierender Verstand naturgemäß gerne mal übersieht.
Einwand: "Inwiefern die Aussage von Niels Bohr und vor ihm Plato und Zhuangzi "Alles scheint eins zu sein" eine (teil-lineare) Logik aufhebt..."
Die Vertikale sagt:
ALLES ist EINS.
Und das „scheint“ nicht nur so. Es ist ohne Belang, wer alles den Satz schon einmal formuliert und ob ihn schon jemals jemand gesagt hat.
Der Verstand mit seiner dual und analytisch funktionierenden Logik kann dem nicht zustimmen. Er fungiert auf der Horizontalen.
Der Verstand kann nur in Dualität.
Das ist sein Job und den... macht er gut.
Seiner Logik nach kann der erste Satz nicht wahr sein. Er ist es dennoch. Das geht dem Verstand über den Horizont – that´s it.
Er kann sehr nicht alles begreifen (ist aber auch nicht sein Job). Es genügt, wenn er mit dem zurecht kommt, was in seinem Arbeitsbereich liegt und wir die Intelligenz aufbringen, zu erkennen, wann er Feierabend hat. Denn das Denken wird nur manchmal gebraucht.
„Alles ist eins, und alles ist verschieden.“ – sagt Blaise Pascal
Der Blaise hat Recht: Beide Aussagen treffen gleichzeitig zu 100% zu. Das EINE ist die Vertikale, das DUALE, (Verschiedenheit) gilt auf der Horizontalen.
Auf der Horizontalen (in der Gesellschaft) wird (auch) die Logik gebraucht. Hier ist und wird sie nicht aufgehoben, hier hat sie ihren Wert. Nur hier. Wenn es um die wesentlichen Dinge geht (Vertikale), steht sie jedoch bloß im Weg.
Einwand: "Um "Alles ist eins" zu sagen - müsste man außerhalb stehen
Ja, genau so ist es.
Die Horizontale ist durch Polarität bestimmt. Dort hat die Logik ihren Platz, dort regieren Vielfalt und Dualität. In der Vertikalen ist die Logik außer Kraft gesetzt. Hier gilt sie nicht.
"Alles ist eins" lässt sich nur von außerhalb, nur von oberhalb der Logik sagen.
Darum meine Frage 1: Wer hat das von dir zitierte "Alles scheint eins zu sein" formuliert?
Das Wörtchen "scheint" weist darauf hin, dass sich derjenige innerhalb des Logischen bewegt. Er spekuliert bloß oder plappert nach, denn... er weiß es nicht.
Einwand: "...und damit die Aussage ad absurdum führen."
"Absurdität" ist ein Begriff der Logik.
Er wird meist kritisierend verwendet, wenn eine Aussage nicht den Regeln der Logik entspricht, aber alles, was nicht mit der Logik kommuniziert werden kann, ist a-logisch.
Alles das, was dem Verstand über die
Hutschnur geht..., nennt er "absurd".
Das ist verständlich, denn der Logiker glaubt, NUR die Logik zu kennen. Ja, es ist eine Art Glaubensbekenntnis, in das er sich eingesponnen hat. Etwas Außer-Logisches kann er nicht ohne weiteres gelten lassen, das ist ihm suspekt, obwohl... alles Wesentliche außerhalb des Logischen existiert.
Einwand: "Dies hatten Zhuangzi und Plato erkannt."
Erkenntnisse sind nicht übertragbar. Was immer Zhuangzi und Plato auch erkannt haben mögen, es ist nicht vermittelbar.
Buchstaben, Worte und Sätze.... sind
kommunizierbar; Erkenntnisse nicht.
Einwand: "...einige Kommentatoren und Übersetzer weisen zu Recht darauf hin."
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kommentatoren Aussagen von Mystikern verfälschen, liegt bei mindestens 95%. Da sie nicht die selben Erkenntnisse gewannen, können sie nicht wirklich verstehen, was sie lesen. Ähnliches gilt für die Übersetzer.
Nur Mystiker können Mystiker fehlerfrei übersetzen, denn nur sie wissen genau, was gemeint ist.
Der Intellektuelle bricht Erkenntnisse bloß auf seine Sprache, auf sein Verstehen, auf die Logik herunter. Er kann nicht anders, also kein Vorwurf. Es ist so.
Willst du mystische Texte verstehen, wirst du um längere Meditationen nicht herum kommen...
Et is wiet is. 😉
Geschichte & Krieg
„Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier.“
– Yves Montand
Einwand: "...Bonhoeffer als kirchlich motivierten Widerstandkämpfer zu "adeln".
Der Dietrich wird posthum missbraucht. Dieses "adeln" ist letztlich noch Teil des Krieges. und gehört zu den Ausläufern von Rechtfertigungsversuchen.
Einwand: "...ein sehr dunkles Kapitel im Zusammenhang mit der Aufarbeitung unserer "Rechtsgeschichte."
Bevor irgendwann ein Kapitel Rechtsgeschichte "aufgearbeitet" wird, gleitet uns - just in the moment - Die Würde des Menschen schon wieder durch die Finger. Indem wir unseren Fokus auf die "Geschichte" legen, übersehen wir getrost (!) unsere Gemeinheiten in der Gegenwart.
Die Idee, dass Barbarei etwas mit "Vergangenheit" zu tun hat, macht uns - wunschgemäß - blind für unsere gegenwärtigen Unmenschlichkeiten.
Wir Deutsche befinden uns im Krieg. Für einen Krieg braucht man die Idee des Feindes. Zunächst wird der "gegnerische" Mensch verbal entmenschlicht. Dann darf, kann und "soll" man diesen eliminieren, auslöschen, "pulverisieren" (Soldatenjargon). Aber...
Es gibt keinen Feind.
Überall nur Aspekte unseres Selbst. Jesus hat Recht, wenn er sagt: "Liebe deine Feinde." Denn es gibt nur Brüder. Aber ihn, der das sagt, hört niemand – er stört uns nicht.
Die Handelswege sind uns wichtiger.
Wir lassen uns nicht die Brotkrumen unseres Überflusses von ein paar Habenichtsen, die sich und ihre Kinder damit ernähren wollen, wegnehmen!
Der Mann, der den Angriff auf den steckengebliebenen Tanklaster gegeben hatte, wurde freigesprochen. Das ist g e g e n w ä r t i g e "Rechtsgeschichte". (Hier hilft uns auch keine "Gnade der späten Geburt") Er hat unser Mandat. Wir haben ihm also gesagt: "Es ist rechtens, es ist richtig, wie du gehandelt hast."
Dies ist bloß ein - uns allen bekanntes – Beispiel. Aber es zeigt: Es herrscht Kriegsrecht. An anderen Orten erlauben wir uns die Herrschaft des Rechts der Barbarei.
Die Idee, jemand anderes sei unbedeutender als ich selbst, als meine Familie, als mein Land..., ist der Spaten, mit dem wir den Humanismus - auf den wir doch so stolz sind - beerdigen.
Die Würde des Menschen ist
im Krieg eine lästige Störung.
Militär-(Seel-)Sorger kümmern sich sehr darum, dass "im Feld" niemand aufwacht.
Wir sind entsetzt, wenn ein treusorgender Familienvater einen anderen tötet. Aber am Hindukusch oder an der Europäischen Grenze sind wir damit einverstanden.
Solange uns nur oft genug eingeredet wird, es sei zu unserer Sicherheit, sind wir mit all dem einverstanden.
Was ihr dem Geringsten
meiner Brüder getan,
das habt ihr mir getan.
Wir alle... sind EINS.
NEU-STAAT


