Ephides
Ein Aspekt der Gottheit ist die Freude,
die da leuchtet hinter allen Qualen
wie die Sonne. Kannst du miterstrahlen,
teilen sich vor dir die Wolkenwände,
kannst du füllen viele leere Hände,
bist du Künder gottgewollter Freude.
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Vom wahren Tun
Das Tun liegt nicht in der Tat, denn sie ist nur die letzte Auswirkung des Tuns. Das Tun liegt auch nicht im Denken, denn die Gedanken sind die Zuleitungskanäle, die reines und getrübtes Wasser führen können. Das Tun liegt jenseits des Werdenden und Gewordenen im Reich der Wirklichkeit. Dort seid ihr Mitwirker am Weltengeschick, dort fallen die Entscheidungen. -
Die Menschen meinen, die Welt verbessern zu können, wenn sie Taten erzwingen oder Taten unterdrücken. Aber sie setzen nur Gewalt gegen Gewalt, Irrtum gegen Irrtum.
Es will der Mensch den Frieden,
aber er meint, ihn erkämpfen zu müssen
und bleibt damit auf dem Schauplatz des Kampfes.
Es quält den Menschen, dass seine Gedanken, die Zuleitungskanäle, getrübtes Wasser führen, und er müht sich, das Wasser zu klären, und müht sich vergeblich, weil dem Ruhelosen immer neues trübes Wasser zufließt.
Es gibt nur eines: Die Quellen aufsuchen und mit ihrem reinen Wasser die Kanäle speisen. Dann wird das reine Wasser das getrübte Wasser ersetzen. In den Frieden eintauchen, aus den Quellen trinken und so gestärkt den Frieden auch im Land der Unrast behalten. Sich den Quellen nähern und mit jedem Schritt eine neue Erkenntnis, ein tieferes Verstehen, eine größere Liebe erwerben. Und die Ereignisse, die der Mensch nicht beherrschen konnte, als er im Reich der Auswirkung gegen sie kämpfte, werden sich wandeln und werden sich verändern, weil er sich gewandelt und sich verändert hat.
Dies ist der Sinn des Heilands-Wortes: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch dieses alles zufallen."
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Warum erst dann und einst - warum nicht jetzt?
Das Jenseits ist nur jenseits deiner Sinne.
Du selbst hast deine Grenzen dir gesetzt,
und wirst du heute seiner Freiheit inne,
verwandelt heute sich für dich die Welt.
Es kann ein Dornenstrauch dir Rosen tragen,
und jedes Antlitz siehst du aufgehellt;
durch jeden Mund kann Gott dir Antwort sagen.
Du gehst in aller Wesen Herzen ein,
ein Kind des Himmels und ein Gast der Erde,
und kannst ein Bürger beider Welten sein.
Es braucht nur eins: das Schöpfungswort "Es werde!"
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Nicht Gott verhüllt geheimnisvoll Sein Walten,
den hüllend Schleier trägst, o Mensch, nur du.
Die Stimmen schwiegen nie, die allen galten,
von deren Klang die Himmel widerhallten;
vor dir nur tat des Paradieses Tor sich zu.
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Der Namen viele trug ich durch die Zeit,
von ihrer Last hat mich die Zeit befreit...
Von manchen bröckelt Ruhm wie Blattgold ab
und sinkt zu längst Vergessenem hinab...
In jedem Bild gemahnt ein Zug an mich,
ein Zug, nicht mehr, erst alle sind mein Ich!
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Jeder Gedanke ist Saat.
Einst, über kurz oder lang,
führt durch dies Feld dich dein Gang.
Jeder Gedanke ist Tat.
Einst, über lang oder kurz,
wird er dein Sieg oder Sturz.
Wie dir das Schicksal auch naht,
nenn es nicht fremde Gewalt:
Du bist's in eigner Gestalt!
(...)
Erlösung kommt von innen, nicht von außen,
und wird erworben mehr, als dir geschenkt.
Sie ist die Kraft des Innern, die von draußen
rückstrahlend deines Schicksals Ströme lenkt.
Was fürchtest du? Es kann dir nur begegnen,
was dir gemäß und was dir dienlich ist.
Ich weiß den Tag, da du dein Leid wirst segnen,
das dich gelehrt zu werden, was du bist!
(aus: Worte der Weisheit)
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Sterben ist leicht,
glaub mir, es gleicht
glückhaftem Traum.
Weit wird der Raum.
Du schenkst dich
im uferlos strömenden Glück
dem Urmeer zurück...
(Aus: Ins Licht erhoben)
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Du, einer wirren Zeit verirrt Geschlecht,
schau hin – am Horizont die schwarzen Reiter!
Noch schattengleich, doch näherkommend schon,
umzingeln dich des Dunkels wilde Streiter!
Dir war das Dunkel oft willkommen doch,
in seinem Schutze reiften deine Taten,
und seinem Flüstern gabst du gern Gehör.
Nun sieh – es sprießen deiner Taten Saaten!
Was zitterst du und kannst es nicht ertragen?
Du warst doch mutig sonst, wenn’s anders galt!
Das deinen Zwecken dienstbar war, das Dunkel,
sieh jetzt in seiner wirklichen Gestalt!
Und fühl der alten Erde fiebernd Beben,
und wanken sieh das Haus der Wissenschaft,
und stürzen sieh der Menschheit heil’ge Güter
und mit sich reißen deine beste Kraft!
Denn plötzlich ist das Dunkel überall,
das nun zerstörend gegen dich sich wendet.
Des Horizontes schwarze Reiter sind
das Böse, das du selbst einst ausgesendet.
Doch Gnade lässt das Dunkel vor dich treten,
dass du’s erkennst, erkennend dann erlöst.
Drum trag der Liebe Fahne ihm entgegen,
dass du erlösend auch dich selbst erhöhst!
Denn angelangt bist du, verirrt Geschlecht,
an deiner wirren Wege jähem Ende.
So geh zurück in dich, und hol aus dir die Kraft,
und wirk die große Weltenzeitenwende!
(aus Zeitenwende)
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Wahre Liebe
Weisheit und Liebe sind eins. Beide sind einander Bedingung und Folge zugleich. Liebe macht weise und Weisheit macht liebend.
Dem Liebenden erschließt sich die Seele des Geliebten, sie wird ihm offenbar. Er erschaut ihre Geheimnisse, er wird wissend durch die Liebe. Wer Weisheit hat, erschaut die Zusammenhänge und ergründet die Tiefen. Er weiß um das Einende in allen Wesen und sieht das Erhabene auch im Geringsten und das Ewige in jedem Wechsel. Er muss anbeten, er muss lieben.
Liebe und Weisheit - zwei Tore zu Gott. Durch welches man auch eingeht, man gelangt zu jenem Allgefühl, das beide, Liebe wie Weisheit, zu gleichen Teilen in sich schließt.
Hände, welche geben wollen,
werden niemals leer.
Hände, welche heilen sollen,
sind von Segen schwer.
Herzen, die in Mitleid schlagen,
finden stets ein Wort,
brauchen gar nicht lang zu fragen,
nehmen Leid mit fort.
Lieben nur heißt wirklich leben,
schenket ändern Glück.
Wollet lieben, wollet geben -
Glück kommt euch zurück ...
Du in den Himmel erhobene Liebe auf Erden
weißt aus Begrenztheit zur seligen Allheit zu werden,
die der Verwandlung verliehenen Kräfte zu schenken,
tatlos die Taten der Liebe zu wirken im Denken,
waffenlos siegend und wortlos ihr Wissen verbreitend,
unversehrt staubige Straßen wie Gärten durchschreitend.
Liebe ist immer dieselbe,
durch wessen Mund sie auch spricht,
durch wessen Hand sie dich segnet.
Wo immer sie dir begegnet,
erkenn deines Gottes Gesicht.
Die Liebe ist immer dieselbe.
Die Wunder wissen ihren Weg zu finden
Dienst der Liebenden. Sie überwinden
die Schranken, um sie tiefer zu verbinden.
Der Liebe ist kein Halt gesetzt,
durch sie wird kein Gebot verletzt,
mit dem der Mensch die eigne Macht beschränkte.
Sie ist die nie durch Grenzen eingeengte,
in ihr ist Gott der Geber und Beschenkte.
Aus den siebenfachen Sonnenkreisen
strömen Kräfte, welche Welten speisen,
strömt das siebenfach gebrochne Licht.
Findet euch in tiefer Erdverirrung,
weckt euch auf aus eurer Weltverwirrung,
die in euren Herzen sich entflicht.
Aus der Vielheit zu der Einheit strebend,
hilfesuchend oder hilfegebend,
tastet ihr euch weiter Schicht um Schicht.
Alle Kinder Gottes haben Flügel,
alle tragen der Berufung Siegel
auf der Stirne. Doch sie wissen's nicht.
Du, mein Bruder, hast das Wort gefunden,
hast die tiefverborgne Kraft entbunden,
und dein Zauberwort, es ist so schlicht -
ist ein Wort nur, wie die Menschen meinen,
doch es kann die ganze Schöpfung einen,
wenn ein Mund es nur in Ehrfurcht spricht.
Liebe, die du wähltest, nimm entgegen.
Liebe, die dich führte, sei dein Segen.
Liebe werde dein Erkenntnis-Licht!
Urew'ge Liebe, Anfang und Vollendung,
Ursprung und Ziel! An jeder Wegeswendung
rückschauend halt ich Rast, um mich zu laben,
und auf den Spuren, die mein Fuß gegraben,
geht das Erinnern meinen Weg zurück ...
Und aus den Stapfen, die entgegenkommen,
steigt Bild um Bild. - Du hast sie mir genommen,
weil sich mein Herz, das allzu leicht verschenkte,
ans Bild verlor. Doch immer wieder drängte
mein hoffend Herz zu nie erfülltem Glück. -
Wie ein Verbannter zog ich einst die Straßen,
als ein Verkannter litt ich ohne Maßen.
Nur Halbheit ward mir, wo ich Ew'ges meinte,
bis sich mir Bild um Bild in Dir vereinte.
Von Deinem Glanz ist jedes nur ein Stück!
Urew'ge Liebe, Vater aller Wesen,
Dem Siegel steht auf jeder Stirn zu lesen,
Dein Glanz strahlt mir aus allen Augen wider,
Dein Segen strömt als Licht zur Erde nieder.
Eh ich Dich suchte, bis Du mir begegnet,
eh ich mich sehnte, hast Du mich gesegnet !
Sternenwege, Menschenwege. Jeder hat seine Bahn. Und alle haben das gleiche Ziel: Mittelpunkt zu werden, Sonnen zu sein und andere Sterne um sich zu sammeln durch die Kraft, die sie ausstrahlen. Sterne stehen manchmal in Konjunktion. Sie gehen eine Weile mitsammen und müssen sich wieder trennen, weil jeder Stern seine eigene Bahn zieht. Wer die Bahnen der Sterne zu wandeln gelernt hat, muss nun Mittelpunkt, Sonne, werden. Auch Sonnen haben ihre Bahn um eine noch höhere Sonne. Und doch wirken sie ruhend; allseitig haltend führen sie die kleineren Sterne. - Und dies ist das Neue, das nun euer wartet: Anziehen und Halt geben, tausende Strahlenarme ausstrecken.
Größer sind die Bahnen der Sonnen als die kleineren Bahnen der Sterne. Aus dem Äußeren in das Innere verlegen sollt ihr die Kraft; verwandeln sollt ihr, was in euch glüht und blüht und so reich werden, dass ihr nicht anders könnt als geben und nochmals geben und den Raum mit euerem Licht zu füllen. Nicht Gebenwollen ist das Höchste, sondern dieses freudige Aufstrahlen inneren Schenkenmüssens. Dieser Reichtum, diese Freudigkeit wurzelt im Glauben, im Vertrauen, dass alles zu einem guten Ende kommen wird, alles in Gottes weisen Händen ruht. Und endlich wächst dies aus der Liebe, die Glaube und Hoffnung in sich schließt...
Wahre Liebe aber ist sich selbst genug. Sie verschenkt sich an das, was sie liebt, und bleibt dennoch frei; sie gehört ihm an und ist doch unabhängig. Sie kann den anderen lieben, nicht weil, sondern obgleich er so ist. Denn es ist das Vorrecht wahrer Liebe, durch die hindernden Hüllen hindurch das echte Wesen, den im Werden befindlichen Geist zu erschauen, auf jeder Stufe, auf jedem Weg, den der Geliebte geht, an ihn und sein Ziel zu glauben.
Diese Liebe - und nur diese Liebe - führt uns auch zu Gott, dem Anfang und Ende aller Wege, aller Bahnen.
Verwandelt und verwandelnd
in Deinem Auftrag handelnd,
in Deinem Lichte stehend,
mit Deinen Augen sehend
lass uns als Licht auf Erden
zu Deinem Sinnbild werden.
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Nicht Bücher können euch Wissen geben; sie sind der Anstoß dazu, dass die eigenen Seelenteile zu arbeiten beginnen, aber nicht mehr. Auch die tiefste Weisheit, in Worte gefasst, wird nur dem zuteil, der durch die Worte des Aufschließens seines Innern mächtig ist. Worte sind immer nur der Schlüssel zum Gewölbe der eigenen Schatzkammer.
― Ephides
NEU-STAAT
